Sportliche Power trotz Seheinschränkung
Reha-Sport macht's möglich: DANY's entwickelt ganzheitliches Training für sehbehinderte und blinde Menschen
Gleichgesinnte in Gruppen zu vereinen und ihnen entsprechende Programme anzubieten, ist wichtiger Bestandteil der Philosophie von DANY SPORTS-CLUB. Das betrifft nicht nur Gleichgesinnte im Geiste oder mit bestimmten körperlichen Trainingszielen, sondern auch Personen, die ein schweres Lebensschicksal eint. Wie die Gruppe sehbehinderter und blinder Menschen, für die DANY's ein ganzheitlich geprägtes, sportliches Konzept entwickelt hat. Nach dem gelungenen Start des Projekts trafen sich die Initiatoren des „Sehbehinderten-Konzeptes" jetzt im DANY SPORTS-CLUB zum Interview.
Entstanden ist die Idee des „Sehbehinderten-Sport-Projekts" vor etwa zweieinhalb Jahren: Als sich für den langjährigen, sehbehinderten DANY SPORTS-CLUB-Kunden Edmund Klein damals herauskristallisierte, dass er komplett blind werden würde, suchte er gezielt nach sportlicher Unterstützung. Bereits nach dem ersten Gespräch mit Inhaber Rolf Dany war klar, dass eine Arbeitsgruppe eingerichtet werden musste, um alle Aspekte und Chancen für ein Training mit dieser Art der körperlichen Einschränkung abzuwägen.
Unter der sportlichen Leitung von André Busdiecker, der gleichzeitig Rehasport-Beauftragter des DANY SPORTS-CLUBs ist, kam dann in regelmäßigen Treffen über ein Jahr eine Arbeitsgruppe aus Betroffenen, externen Fachkräften - wie einer Lauftherapeutin mit Erfahrung in der Laufbegleitung - und versierten Trainern des DANY-Teams zusammen. Ganz oben bei den Überlegungen für das sportliche Konzept stand dabei das soziale Miteinander der Sehbehinderten, also der Antrieb durch Gruppenmotivation. „Die Teilnehmer sollten ihre Sorgen wenigstens für kurze Zeit ausblenden können und gleichzeitig etwas für ihren Körper tun", so André Busdiecker. „Denn eines der wesentlichen Kriterien bei einer Sehbehinderung ist die Bewegungseinschränkung und die durch die Immobilität entstehenden Fehlhaltungen und mangelnde Ausdauer."
Um sich besser in die Teilnehmer hineinversetzen zu können, bekamen die Trainer Unterstützung durch den langjährigen Mobilitätstrainer und Sehbehindertenlehrer der Blindenschule Neuwied, Manfred Rust: Dieser ließ die Normalsichtigen mit speziellen Brillen Seheinschränkungen wie Tunnelblick, Hell-Dunkel-Sehen und komplette Blindheit wortwörtlich spüren. So entstand schließlich ein Konzept, das gymnastische Elemente mit Bewegungselementen und Laufen wie auch das wesentliche Element Entspannung miteinander kombiniert und das eine besondere sprachliche Anleitung durch die Trainer beinhaltet. Der Bewegung der Gruppe an der frischen Luft gehen Muskel- und Funktionsgymnastik im Kursraum bei DANY's voraus - die Beweglichkeit wird wieder hergestellt, die Mobilität erhöht sowie Fehlhaltungen korrigiert. Zudem gibt es Tipps für den Alltag.
„Zum ersten Mal seit Langem bin ich aus meinem ,Loch' heraus" und fühle mich von Mal zu Mal sicherer in der Durchführung", ist Edmund Klein von dem seit Jahresbeginn laufenden Training begeistert. Teilnehmer Dieter Fuchs lobt: „Man fühlt sich hier total aufgehoben, wie zu Hause. Das gemeinsame Lachen ist für mich dabei das Schönste!" Auch Rolf Dany, der selbst einen der Sehbehinderten als Laufpate begleitet, ist sichtlich zufrieden mit dem bisherigen Ergebnis: „Unsere Philosophie, Menschen in Bewegung zu bringen, geht auch hier wieder so auf, wie ich mir das gewünscht habe." Fünf Paare aus der Gruppe - mit Laufpate oder als Sehbehinderten-Duo alleine - haben sich übrigens auch für den zehn Kilometer langen Nordic-Walking-Marathon beim Mittelrhein-Marathon gefunden - man sieht, nichts ist unmöglich!
Sollten auch Sie Interesse haben, unsere Teilnehmer des Sehbehinderten-Sport-Projekts als Pate zu begleiten oder Personen mit Sehbehinderung kennen, die sich der Gruppe gerne anschließen würden, so wenden Sie sich bitte an den sportlichen Leiter André Busdiecker, Tel. 0261/21994 oder per Mail: andre@dany-koblenz.de. Auskunft als Betroffener erteilt Edmund Klein, Vorstandsmitglied des Blinden- und Sehbehindertenvereins für Koblenz und Umgebung, Tel. 0261/24857. Des Weiteren bietet die Selbsthilfevereinigung von Menschen mit Netzhautdegenerationen „Pro Retina Deutschland" Informationen zum Projekt; Ansprechpartner sind Jürgen Brämigk, Regionalgruppenleiter des Standorts Koblenz, Tel. 0261/9738505, und sein Stellvertreter Manfred Mai, Tel. 06772/2971.
Das Interview mit den Initiatoren des Sehbehinderten-Konzepts können Sie als MP3 vollständig hören - dazu einfach auf den nachfolgenden Link klicken. Durchgeführt wurde dieses von Dieter Fuchs, selbst Betroffener und Redakteur für die vom Landesblinden- und Sehbehindertenverband Rheinland-Pfalz herausgegebene akustische Verbandszeitschrift „Phonopost".